Auf die Jungfrau wollen Alle

v. Dirk Boesler

Vom 69er von Sonthofen zurück, wurde ich im Fitness Studio von zwei Sportlerinnen gefragt. Na und was hast du als nächstes vor?  - Ich will auf die Jungfrau. Ja das woll’n so alle Männer kam da prompt die Antwort. Also wir, Doris u. ich, machten uns auf den Weg nach Interlaken. Erste Probleme. Ich hatte in mein Navi. Fahrt ohne Vignette, ohne Autobahn eingegeben. Was auch problemlos übernommen wurde. Autobahn bis Basel und dann Landstraße bis Interlaken. An der Grenze wollte man uns dann eine Vignette verkaufen, mach 40SFr. Nee wir wollen ja keine Autobahn. Sie sind bereits drauf, sie hätten vorher abfahren müssen. Ich schleuse sie auf die andere Seite und dann ca. 10 Km zurück, immer den gelben Pfeilen nach. Was wir dann auch taten. Navi hat auch mitgemacht, prima. Nach 20 Min. standen wir wieder beim gleichen Zoll. Wir haben’s dann aufgegeben. Also doch Vignette. Es ging dann aber problemlos zum Hotel in Interlaken. Tolles Hotel und ca. 200 m vom Start entfernt. Diesmal war der Start erst um 9:00 Uhr. Bei 14°C. Am Start das übliche Gedränge, 4.600 Teilnehmer aus 48 Nationen. Von Australien, Neuseeland, Amerika, Eritrea, Kenia, Tansania, Äthiopien bis hin zu allen Europäischen Ländern usw. war so ziemlich alles vertreten was auf zwei Beinen vorwärts kam. Ich war wie immer aufgeregt, schaff ich’s, komm ich durch ohne Probleme? Noch mal schnell kurz vor dem Start, den üblichen Papierkram erledigen, und dann die letzten Sek. gezählt. Schuss so jetzt gibt’s kein Zurück mehr. Nur nicht zu schnell angehen. Km 1-  4:42  Passt. Noch mal schauen, ja bin ich verrückt? Wollte doch in 5:45 angehen. Bremse rein, aber schnell, sonst überleb ich das nicht. Große Schleife durch die Stadt, zum 2. Mal an unserem Hotel vorbei. Winke, Winke und dann hinaus in Ferne. Die ersten 10 Km verleiten so manchen zu einem forschen Anfangstempo. Es geht flach dahin nach Wilderswil ( Km 10 - 51Min. )  Dort war ein ohrenbetäubender Lärm, links und rechts von der Straße standen jeweils ca. 10 Männer mit riesigen Kuhglocken ( ca. 70 - 80 cm hoch ) um den Bauch gebunden, so dass sie den ganzen Körper bewegen mussten. Trycheln genannt, diese werden jedoch nicht wie Glocken gegossen sondern aus Blech gehämmert. Dadurch erhalten sie ihren charakteristischen scheppernden Klang, und sind außerdem auch leichter. Das Geläute kann man sich ja dann vorstellen. Überall Guggemusik wo man hin kommt. Jetzt wird’s auch schon langsam immer wärmer. Erster anstieg nach Gsteigwiler, die Ersten gehen schon, jetzt schon Körner sparen? Nee viel zu früh. Wir laufen einige Km im Schatten, hier ist es ziemlich frisch. Aber weiter oben wartet schon die Wärme der Sonne auf uns Läufer. Nun sind es 21°C absolutes Kaiserwetter, was will man mehr? Nach einer etwas flacheren Passage geht es jetzt bergauf, zu Km 15 ( 1:21 ) Am Bahnhof Zweilütschinen warten viele Touristen und auch meine Frau, und feuern uns an. Super Stimmung. Wetter gut, Zeit ok. weiter geht’s. Bergauf hinauf nach Lauterbrunnen. Trotz einiger Anstiege haben wir bei Km 20 erst gut 300 Höhenmeter bewältigt. In Lauterbrunnen ist Stimmung pur, da steppt der Bär. Großer Torbogen, der rote nein besser der blaue Teppich ist ausgelegt, und der Sprecher nennt die Läufer beim Namen. Meine Frau ist auch schon da kurz bevor’s heraus geht. Willsten ’nen Kaffe? Schnell im vorbeilaufen geschnappt und dann weiter. Rufe noch alles ok. Kaum an die letzten Häuser geht’s auch schon steil rauf. Alle gehen, also geh ich auch. Zum glück nur ein kurzes Stück. Eine Schleife dann wird’s wieder besser. Es geht mir soweit gut. Das Panorama ist grandios. Im Hintergrund des Lauterbrunner Tales grüßen schneebedeckte Berge vor tiefblauem Himmel. Rechts fällt der Staubach Wasserfall ca. 300 m herunter und links grüßt uns der Steilaufstieg nach Wengen. Es geht abwärts zum Campingplatz Jungfrau, Halbmarathonzeit wird angezeigt. So die hälfte hab ich mal, Zeit sieht gut aus ( 1:58 ) war doch gar nicht so schlimm. ( bis jetzt ) In einer großen Schleife geht es jetzt in die 2. Hälfte. Km 24 ich schaue herüber auf die andere Seite zu Km 21 endlose Schlangen sehe ich hinter mir. Macht sich gut, weiter so. 500 m weiter fällt mein Blick zum Hang hinauf nach Wengen, und auf die Läufer vor mir, wie die sich mühevoll den steilen Hang hinauf quälen. So jetzt geht’s an’s Eingemachte. Serpentine über Serpentine Hinauf. An’s Laufen ist nun nicht mehr zu denken. Die ersten bleiben stehen oder sitzen um durch zu schnaufen. Im Hang steht ein einsames Haus. Hier ist ein Sanitätsposten eingerichtet, von einem Endlosband dröhnt Pink Floyd - The Wall. We Don’t n Need No Education , We Don’t Need No Thought Control , No Dark Sarcasm ..... Ja das denke ich jetzt auch. Und ich singe im Anstieg mit. Verwunderte Blicke, dass ich noch singe. ( Galgenhumor, glaub ich nennt man das ) Einige Kurven weiter vergeht mir das Singen, ( Sarkasmus pur ) denn Wegen ist schnell Passiert. Es geht wieder in den Wald hinein. Nun kommt’s knüppeldick. Km 27 - große Schild.                             Ihr habt die Hälfte der Höhe erreicht.                             Es sind nur noch 910 Höhenmeter zu bewältigen. Phua, das haut rein!!! Das Läuferfeld ist schon lange auseinander gezogen. Jeder kämpft sich irgendwie den Berg hinauf, bei kräftigem Sonnenschein wird’s uns jetzt auch recht warm. Nervig wird’s nun auch, dass alle 250 m ein Hinweis ist wie weit - oder besser wie wenig wir gelaufen sind. Km 28, Km 28,250 Km 28,500 Km 28,750 usw. Es geht über Allmend ich sehe Läufer nach rechts und links weglaufen. Was ist denn nun los? Zum Glück steht da ein Posten im Anstieg, der uns zuruft, egal ob links oder rechts beide Anstiege sind exakt vermessen, es ist wegen dem Stau. Ich entscheide mich für rechts, obwohl ich das Gefühl habe von meinem Ziel Wegzulaufen, sieht aber nicht so steil aus. Denkste nach einer Kurve, Steigung Pur und Wurzeln über Wurzeln durch ein Wäldchen. Es geht wieder in die richtige Richtung. Ob ich doch besser die andere Rute genommen hätte? Es ist ja immer die Falsche. ( rein gefühlsmäßig, kennt man ja ) Nach ca. 2 Km trifft sich dann wieder alles. Es geht zur Mettlenalp und von da an kann man kaum noch überholen. Es geht auf einer Moräne entlang, sehr steil. Einig kurze Stopps. "Was ist los?" Frage ich meinen Vordermann, "Es ist hier halt wie auf der Autobahn, wenn Stau ist" kommt prompt die Antwort. - Aha. - Muss man früher, unten Tempo machen damit man Oben nicht in so in einen Stau hinein kommt. Ist leicht gesagt, wenn’s aber nicht besser geht? Wixi 1830m hoch ist erreicht. Alphörner sehen und hören wir auf dem Weg zum höchsten Punkt. Dann kommt endlich der berühmte Dudelsack Bläser. In 2. Generation. Mancher versucht kurz mal seinen Kilt zu berühren. Eine leichte Senke, noch mal Fahrt aufnehmen, Steilanstieg zum Eigergletscher 2320 m Oben gibt’s Schokolade. Foto bitte recht freundlich. - Meine Frau ist natürlich schon wieder vor mir da. - Und dann steil nach unten, - an einem See Vorbei, Leute liegen da auf Nirosta Liegestühlen im Wasser, - in’s Ziel. ( Zeit  5:14 ) Wo ist der nächste Bierstand. Ah das zischt, Prost! Ein richtig schöner Läufertag geht zu Ende, und jeder ist stolz es geschafft zu haben.

Sonthofen oder Sandhofen ?

v. Dirk Boesler

Vorab die 69 Km in Sandhofen wären gewiss etwas einfacher gewesen.
Vorbereitung soweit es ging im Odenwald war gut.
Horst, Doris u. ich hatten ein schönes Quartier in Tiefenbach, nur
etwa 5 Km vom Start in Sonthofen entfernt.
Am Sonntag um 4:00 hieß es aufstehen, frühstücken, fertig machen
und dann mit dem Auto zum Ziel. Wechselbeutel für die Kleider schnappen
und ca. 1 Km zum Start. Es ist noch recht dunkel und etwas frisch. (ca. 13° )
Es ist kurz nach fünf, Kleiderbeutel markieren, Schuhe nochmals nach binden,
und immer wieder zum Dixi Häuschen, ihr kennt das ja.
6:00 zeigt meine Uhr sie geht ein bisschen vor, es dämmert langsam.
Alle scharren die Hufe. So um die 200 Unerschrockene.
Auf was hatte ich mich da eingelassen, schon in der Ausschreibung
Hieß es Handy, Signalpfeife u. Rettungsdecke ( beiden letztre wurden vom
Veranstalter geliefert ) muss jeder Teilnehmer mit sich führen.
Punkt 6:00 also ging’s dann am Allgäu - Outlet los.
Zunächst 2,5 Km an der Iller entlang, leichte Dämmerung.
Danach Richtung Hüttenberg es kommt die Sonne und der erste Anstieg.
Jetzt schon gehen, alles geht um mich herum, na dann Körner sparen.
Es sind immerhin 1077 Höhenmeter auf den ersten14,5 Km zu überwinden.
Teils Schotter, Wiesenwege oder wurzelig.

Bei Km 8 treffe ich auf einen Läufer, „Ay, ich kenn dich, wir sind zusammen auf
einem Foto beim Schwäbisch Alp Marathon im letzten Jahr“ ruft er mir zu und
marschiert davon.
Weiter geht’s bergauf. Auf dem Anstieg zum Weiherkopf 1.640 m habe ich
Glück, nicht nur dass wir dauern den Kühen ausweichen müssen weil diese
sich um uns überhaupt nicht scheren, und stur auf dem Weg bleiben.
Nein muss doch auf gleicher Höhe mit mir, die Eine die Andere begatten,
und rutsch dabei ab. Die hätte mich fast noch unter sich begraben, das
ist Natur.

Oben am Gipfel wird’s schwierig, ( der erste der 3 Hauptanstiege ist geschafft )
es gibt zwei Möglichkeiten und kein Hinweis.
Außer ein Wanderwegweiser nach Grasgehren.
Wir sind zu Fünft und beschließen dem Wegweiser zu folgen, wissend dass
wir zu den Grasgehren Liften müssen, was sich auch als richtig erweist.
Wieder treffe ich dabei auf einen Läufer,
„ich kenn dich wir waren zusammen in Güttersbach auf dem Treppchen.
du oben ich daneben, bin aus Darmstadt.
Au gleiche Altersklasse, das ging einige Km gemeinsam dann ging dies mal
ich davon.
Es geht nach Rohrmoos unterwegs frage ich zwei Läufer „dauert’s noch
lang bis Grasgehren ( KM 19 )? Es wird knapp mit der Zeit die ich mir
vorgenommen habe. – Nee da sind wir schon lange vorbei, noch hier
hoch dann sind wir auf dem Riedbergpass. ( KM 23 )“ – Super geht doch!
Und nun wird’s lustig. Es geht erst in einen Wald hinein, fast stockdunkel
Steil abwärts Wurzeln Matsch. 3 Biker kommen uns entgegen, Rad auf dem
Buckel. Der erste rutscht aus und nimmt mich mit dem Vorderrad auch gleich
mit, zack in den Matsch.
Tschuldigung gemurmel, nützt mir jetzt auch nichts. Haben die ’s heut alle
auf mich abgesehen?
Aus dem Wald heraus ging ’s dann erst richtig zu Sache.
Wadentiefes Moor mit Bohlen überbrückt.
Bohlen teilweise Durchgebrochen, stufenweise übereinander gelegt.
Wackelig, schräg und sehr rutschig, da mit Lehm verschmiert.
Es zog sich bestimmt ca. 1,5 km so dahin.
Na ich habe mich noch 2 Mal ins Moor begeben.
Einmal daneben getappt, ein sattes Schlüfgeräusch beim Hochziehen
des Beines, hoffentlich ist der Schuh noch dran, ja er ist.
Oder ist es vielleicht doch nur noch ein Lehmbollen?
Aber den Anderen ging es genauso, ich habe hinter mir nur Fluchen
und platschen gehört, vor mir sah’s auch nicht anders aus.
Es ging dann wieder bergauf, 260 Hm zum Riezlern, kurz vorm Kleinwalsertal.
Verpflegungsstelle, die hatten vom letzten Jahr schon ihre Erfahrung.
Wasserschläuche und Badewanne standen da schon bereit.
Erst mal den Schlauch und von oben bis unten abgespritzt.
Neues Suchspiel, wo sind denn die Schuhe? Wo die Armbanduhr?
Zum Glück hatten wir ja mittlerweile über 30°C, in der Sonne bis 37/38°C.

Verpflegung war hier hervorragend, es gab alles, Melone, Schmalzbrot
Kuchenstückchen, Bananen, Riegel, Cola, Iso, Wasser, Bier.
Ich hab’ leider kaum gebrauch gemacht. War zu sehr mit meiner
Körperpflege beschäftigt. Doch ein Erdinger Alkoholfreies, Melonestückchen
und ein Cola habe ich mir gegönnt. Schnell noch die Trinkflaschen
mit Cola aufgefüllt. Konnte mir Zeit lassen war ja ca. 40 Min. früher
angekommen als geplant. Da konnte man schon mal gut 20 Min Pause
machen.
Jetzt aber wieder los. Nach200 m noch mal umgedreht, da sind noch
Lahmreste unter dem Uhrarmband, kann ich nicht haben.
Also noch mal Schlauch abspritzen, so und nun aber los.
Es geht mal wieder bergab 262 m zur Österreicher Grenze, im Kleinwalsertal,
über Unterwestegg.

Dann wieder endlos lange ( etwa 7 km ) und steil ( 440m ) hoch über Amans-
Alpe ( 1344 m ) zum Söllereck. ( 1445 m )
Etwas abwärts beim Gasthof Hochleite steht meine Frau mit einem kühlen
Becher, den gieße ich mir über den Kopf.
Meine Frau hat scheinbar die Gäste dort instruiert. Großer Beifall und Gegröle.
Das motiviert.
„Komm trink noch was, - keine Zeit.“
Nun extrem steil abwärts in Serpentinen mit Stufen und Wurzeln.
Oberschenkel brennen schon und nun auch das noch.
Blick zum Freibergsee mit Skiflugschanze, und nach Obersdorf.
Es geht nach St. Loretto ( 811 ) nach Obersdorf.
Auf dem Weg nach Obersdorf hole ich einige wieder ein, die mich
vorher am Wurzelabstieg überholt hatten.

Nun bin ich plötzlich ganz alleine….. Vor mir nix, hinter mir nix.
Ich frage Passanten, Erdinger Arena? Ja richtig, da vorne rechts hoch.
Uh, schon wieder hoch – ist ja ein Alplauf.
Im Stadion Erdinger Arena mit Sprungschanzen werde ich persönlich
über Lautsprecher begrüßt. Schön dass du die 69Km in Angriff nehmen willst.
Wir müssen ja nicht die Sprungschanze hinauf sage ich noch so zum Scherz
zwei Einweisern. „Nee ihr bekommt’s noch steiler kam die Antwort“
Man kann hier aussteigen, was ich aber nicht will.
Noch stimmt die Zeit.
Knackige Hitze, viel steigen aus. Nee die 20 km mach jetzt auch noch.
Wusste ja nur ungefähr was da auf mich zukommt.
Denn jetzt geht’s ans eingemachte.
Kleine Pause, ein Erdinger, Melonestückchen und Cola aufgefüllt.
3 Becher Wasser über den Kopf und dann wieder los, habe schon wieder
20 Min. vertrödelt.
Aber was soll’s?
Nun haben wir noch mal fast 1000 m Aufstieg. Von Wadenkrämpfen
geplagt quäle ich mich zum Sonnenkopf hoch. ( 1712 m )
Kein Weg eher ein Geißenpfad. Grasbüschel und Lehmsteigen recht rutschig
und sehr steil.
Vor mir sagt einer „ wenn die mich zu Hause sähen, wie ich hier herumtorkle,
die bekämen zu viel.“ Das geht mir genauso.
Endlich oben auf dem letzten und schwersten Gipfel, die Zeit war mir
inzwischen davon gelaufen. Es war mir egal. Nur noch ankommen.
Die letzten 9 Km gingen dann ja ziemlich flott, 979 m runter.
Aufpassen dass kein Krampf mehr kommt, und die 2 Altersklasse Läufer die
ich vor mir wusste möglichst noch einholen. Was auch klappte.
Meine Frau begrüßt mich nur noch 2 Km ….. Jau.
An einer Straßenquerung frage ich den Posten, „ist es noch weit bis zum Ziel.
- Nee nur noch 400 m, hier um die Ecke“ - Puh wird aber auch Zeit.
Dass ich dann auch noch 1. wurde war ja die Krönung.
Ach und die Zeit. 11:14:07 – 14 Min über meine Planzeit, aber damit
kann ich leben.
Und Horst der hat es natürlich besser weggesteckt, klar doch, wurde auch
Erster.